Kolloquium am 08.02.2002



Verteilte Anwendungen im mobilen Umfeld


Prof. Dr. Stefan Fischer
(TU Braunschweig)

Mit der zunehmenden Verbreitung drahtloser Netzwerke unterschiedlicher Bandbreiten rückt die Kommunikation zwischen mobilen Benutzern immer mehr in den Vordergrund. Heute dominiert noch die 1:1­Gesprächsbeziehung über mobile Telefone, aber schon jetzt gibt es die ersten multimedialen verteilten Anwendungen, die sich die Mobilität der einzelnen Teilnehmer zunutze machen. Allerdings entstehen in solchen mobilen Umgebungen ganz neue Probleme. Dieser Vortrag beschäftigt sich mit vier Themen, die bei mobilen verteilten Anwendungen eine Rolle spielen, nämlich Sprachgruppenkommunikation, Lokalisierung von Teilnehmern, Nutzung von Ad­Hoc­Netzwerken sowie Programmierung großer verteilter Anwendungen. Als Beispiel und Ausgangspunkt für die Überlegungen wird das Projekt "DeepMap" präsentiert, in dessen Rahmen eine Reihe von Universitäten und Forschungseinrichtungen einen elektronischen Touristenführer für die Stadt Heidelberg entwickeln. Aufgabe des Teilprojekts, das der Vortragende leitet, ist die Bereitstellung der Kommunikationsinfrastruktur, mit deren Hilfe der Tourist Informationen abrufen, sich aber auch mit anderen Touristen in Verbindung setzen kann. Die Anwendung "LocaPhone", die auf der Infrastruktur aufsetzt, erlaubt die Bildung mobiler virtueller Touristengruppen. Der Vortrag stellt zunächst das Gesamtprojekt vor und analysiert dann die Anforderungen an eine Kommunikationsinfrastruktur und an die darauf aufbauenden Anwendungen. Als Beispiel für eine mögliche Lösung werden dann die Module zur Bereitstellung einer sprachbasierten Kommunikationsmöglichkeit zwischen allen Gruppenmitgliedern sowie zur Standortlokalisierung einzelner Mitglieder präsentiert.

Es zeigt sich, dass eine Anwendung wie LocaPhone, aber generell auch alle mobilen verteilten Anwendungen von der Verfügbarkeit mobiler Knoten in einem abgegrenzten geographischen Bereich profitieren können, in dem diese Knoten als Relay­Stationen im Rahmen eines sog. Ad­Hoc­Netzwerkes genutzt werden können und sich damit u.a. die für eine Anwendung verfügbare Bandbreite erhöhen lässt. Allerdings ist nicht klar, unter welchen Bedingungen die Nutzung eines Ad­Hoc­Netzes in solchen Anwendungen tatsächlich sinnvoll ist. Um dies besser beurteilen zu können, haben wir einen Ad­Hoc­Netzwerksimulator entwickelt, der kurz vorgestellt wird. Außerdem werden erste Ergebnisse präsentiert.

Im Ausblick schließlich werden einige Ideen präsentiert, wie man generell verteilte Anwendungen auf der Basis vieler kleiner mobiler Geräte implementieren könnte. Die Grundlage der Überlegungen bildet eine XML­basierte fehlertolerante Middleware.

Termin : Freitag, 08.02.2002, 17.15 Uhr
Raum : Gebäude 48, Raum 210